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Der Hund als treuester Weggenosse
von Von Elisabeth Fischer / BamS (Bild am Sonntag) 18. Januar 1981
Der alte Fritz nahm seine Lieblings-Windspiele mit ins Bett
Seit 11000 Jahren schätzt der Mensch den Hund als seine treusten Weggenossen. Heute (1981) besitzen rund neun Millionen Deutsch, darunter viele Prominente, einen Hund. Welche Rasse passt zu welchem Typ? Sieger bleibt immer noch der Dackel - in Europa.
„Ich glaube, dass auch die Hündelein in den Himmel kommen und jede Kreatur eine Seele hat“, sagte Martin Luther.
Hunde in den Himmel? Geht die Liebe zum Tier tatsächlich so weit, dass der Besitzer hoffen darf, sein treuer, vierbeiniger Gefährte käme vor ihm oder nach ihm in den Himmel – also eine unlösbare Freundschaft zwischen Mensch und Tier?
Viele Dichter und Philosophen, viele Prominente in der Geschichte und in der Neuzeit hatten eine so enge Beziehung zu ihrem Hund, dass sie ihn mehr als die Menschen liebten.
„Woran sollte man sich vor der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der Menschen erholen, wenn die Hunde nicht wären, in deren ehrliches Gesicht man ohne Misstrauen schauen kann?“ fragte der Philosoph Arthur Schopenhauer.
Und Friedrich der Große erkannte: „Hunde haben alle guten Eigenschaften des Menschen, ohne gleichzeitig ihre Fehler zu besitzen.“
Der Preußenkönig hielt auf Schloss „Sanssouci“ zeitweise bis zu 80 Windspiele. „Biche“ und „Alkmene“, seine Lieblingshündinnen, durften in seinem Bett schlafen. Als „Biche“ gestorben war, schrieb er eine ergreifende Totenklage: „Die treue Anhänglichkeit des armen Tieres, seine leiden hatten mich so gerührt, dass ich ihm, wie ich gestehe, schmerzlich nachtrauere.“ Er ließ seinen Hunden im Park von Sanssouci einen Hundefriedhof errichten, wo jeder seinen Grabstein hat.
Als der Preußenkönig im April 1786 selbst im Sterben lag, sorgte er, schon im Dämmerzustand, noch dafür, dass die neben ihm ruhende Hündin mit Kissen zugedeckt wurde.
Friedrichs Zuneigung zu seinen Windspielen war so groß, dass er im Park von Schloss Sanssouci neben ihnen begraben werden wollte.
Hoffte auch er auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit? Der letzte Wunsch des Preußenkönigs wurde jedoch nicht erfüllt.
„Barry“ – Held unter den Bernhardinern
Auch Englands Königin Victoria hinterließ der Nachwelt einen rührenden Beweis ihrer Liebe zu einem Hund, den Grabstein für ihren Liebling „Dash“ im Park von Schloss Windsor mit der Inschrift: „Seine Anhänglichkeit war frei von Selbstsucht, sein munteres Spiel ohne Tücke, seine Treue ohne Trug. Leser – willst du bei Lebzeiten geliebt und im Tode beweint werden, so nimm dir ein Vorbild an Dash!“
An „Barry“, den berühmtesten Bernhardiner aller Zeiten, der 1814 starb, erinnert noch heute ein Denkmal am Eingang des Pariser Hundefriedhofs. Der ausgestopfte „Barry“ befindet sich im Berner Museum.
Dieser „Held“ unter den Lawinenhunden des Klosters auf dem St. Bernhard hatte in eisigen Winternächten in den Schweizer Bergen 40 Menschen vor dem Erfrieren gerettet. Doch der 41. Wanderer tötete ihn, weil er „Barry“ versehentlich für einen Wolf hielt.
Für Hundebegräbnisse wird heute besonders in den USA sehr viel Geld ausgegeben. Diese sind nur ein Zweig einer blühenden Industrie, die sich aus der rund 11000 Jahre alten Beziehung zwischen Mensch und Hund entwickelt hat.
Funde aus der mittleren Steinzeit (um 8000 v. Chr.) geben ersten Aufschluss über das Zusammenleben des Menschen mit dem Hund, der sein Jagdgefährte, Beschützer und Retter war.
In Ägypten wurde ein Grab aus der Zeit um 5000 v. Chr. gefunden, in dem ein Mann mit seinem Hund bestattet war. Man konnte noch erkennen, dass die Hand des Toten auf dem Rücken des Tieres lag.
Heute (1981) gibt es in der Bundesrepublik vier Millionen Hundehalter. Da die meisten Tiere einer Familie gehören, leben rund neun Millionen Bundesbürger mit einem Hund.
500 Millionen Mark werden bei uns jährlich für Hundenahrung ausgegeben.
Die Liebe seines Hunde hilft Herrchen sogar beim Herzinfarkt
Doch nicht nur als Hausgenosse, Beschützer und Freizeitpartner wird der Hund geschätzt.
Herzspezialisten weisen erst kürzlich die Hilfe der Vierbeiner bei der Genesung ihrer Herrchen nach einem Herzinfarkt nach!
„Die emotionale Beziehung des Menschen zu seinem Hund ist ein körperlicher und seelischer Schutzfaktor, lenkt ihn von seinem Leiden ab und hält ihn auf Trab.“
Hausgenosse, Spielgefährte, Beschützer, Trimm-dich –Partner – für viele Menschen ist der Hund noch mehr. Er ist Statussymbol. Sie wählen ihn wegen seiner äußeren und charakterlichen Vorzüge.
Bismark liebte riesige Doggen
Warum bevorzugte der „Eiserne Kanzler“, Fürst Bismark, riesige Doggen, Schopenhauer den klugen Pudel, Kaiser Wilhelm der II. den krummbeinigen Dackel?
Warum passte der Boxerhund gut zu Bundespräsident Carstens, der Bernhardiner zu Johannes Heesters, der Deutsche Schäferhund zum Ex-Boxeuropameister Bubi Scholz?
Dazu sagt der Hamburger Zoologe Ulrich Cunkel:
„ Der Deutsche Schäferhund mit seinem besonders schönen Gesicht, seinen großen ausdrucksvollen Augen, Wendigkeit und straffer Muskulatur zieht besonders jene an, die in diesem Tier ihre Idealvorstellung von einem Haushund verwirklich sehen. Für ängstliche und misstrauische Gemüter bedeutet der Schäferhund auch Schutz und Abwehr gegen über fremden Menschen.“
„Der kräftige Boxer besitzt trotz seines finsteren Mienenspiels einen edlen und gutmütigen Charakter. Er ist ein vorzüglicher Gefährte für jene Tierliebhaber, die durch Beruf und Lebensstellung besonders strapaziert sind und in dem Boxer den ruhendem Pol innerhalb der eigenen vier Wände sehen“.
„Die deutsche Dogge, heute noch oft als der Königliche Hund Bismarcks bezeichnet („seine Reichshunde“, „Tyras“ und „Sultan“, gingen in die Geschichte ein), ist trotz aller stärke gutmütig, ein unbestechlicher Wächter und sehr anhänglich. Wegen Ihrer Größe und verhaltenen kraft ist die Dogge für viele Menschen zu einem Renommierhund geworden.“
„Der Königspudel, den Schopenhauer zu seinem Lieblingshund machte und Prinz Bernhard der Niederlande hält, hat Würde und aristokratische Haltung. Seine Lebendigkeit, Lernfreudigkeit und Intelligenz machen ihn besonders beliebt.“
„Den Bernhardiner wählen besonders gern Menschen, die um sich eine entspannte Atmosphäre brauchen, denn dieses Tier ist besonders ruhig und geduldig. Aber gleichzeitig animiert es seinen Herrn zu aktiver, sportlicher Betätigung, denn er braucht besonders viel Bewegung und Auslauf. Außerdem ist er ein zuverlässiger, liebevoller Wächter und Beschützer.“
„Den Dackel lieben Menschen, die zu Ihren eigenen Leben einen Gegenpol brauchen, denn er ist eigenwillig, ruppig, launisch und will verwöhnt werden“.
Der Dackel ist nicht nur in Deutschland sondern auch in Frankreich und England die beliebteste Hunderasse.
„Yuki“ schritt die Ehrenformation ab
Viele Hundefreunde aber legen gar keinen wert auf ein Rassetier. Sie bevorzugen Mischlinge, weil diese als besonders intelligent, treu und dankbar gelten. (1981)
US-Präsident Johnson liebte abgöttisch seien weißen Mischlingshund „Yuki“, den seine Tochter an einer Straße fand und ihm schenkte. „Yuki“, von undefinierbarer Rasse, jaulte die Töne nach, die sein Herr im vorsang. Das „Duett“ des Präsidenten mit seinem Hund gehörte zu den Attraktionen im Weißen Haus.
Johnson nahm seinen Hund auf alle Reisen im Präsidenten Flugzeug mit. Oftmals erschien „Yuki“ bei der Ankunft als erster auf der Gangway und „schritt“ vor dem Staatsoberhaupt die Ehrenformation der Soldaten ab.
„Seit dem Tod meiner Mutter“, sagte Johnson gerührt, „war mir nie wieder ein Lebewesen so zugetan wie dieser Hund“.
„Das letzt Wort über die Wunder des Hundes ist noch nicht geschrieben“, sagte der Schriftsteller Jack London.



