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Barsoizucht
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Lesenswertes

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VOM BARSOI

Vorwort folgt

 

von Wilhelm Müller / deutsche Kynologen-Zeitung aus den Jahren 1937 und 1938

Seit einem Jahr ist im Lager der Barsoizüchter eine gewisse Unruhe vorhanden, ausgelöst durch einige Richterurteile. Das Für und Wider hat die Vertreter der verschiedenen Richtungen auf die Beine gebracht und die Diskussion darüber scheint nichts zu bringen, weil man sich angewöhnt hat aneinander vorbeizureden. Typ ist ein relativer Begriff,  Substanz dagegen etwas  Konkretes. Über letzeres sollte es keine Meinungsverschiedenheit geben, denn was ich nüchtern sehen kann,  mit den Händen fühlen oder gar mit der Waage wiegen ist nichts Eingebildetes  und nichts Zweifelhaftes mehr. Trotzdem hat ein Richter  und zwar der Vertreter substantiierten Richtung einen Hund als zu leicht bezeichnet,  den ich persönlich für absolut schwer halte. Also genauer gesagt für substanzvoll halte. Was muss diesem Richter an ideeller Substanz denn nur noch eigentlich vorschweben? Der gleiche Richter hat aber meines Wissens Hunde mit 4 und 5 bewertet, die nicht nur relativ, sondern auch absolut zu leicht sind. Ich finde, wenn über Substanz geredet oder die Substanz eines Hundes als wichtigstes Plus für ihn ins Feld geführt, wird dann muss er mit größter Vorsicht genossen werden, denn dann fehlt ihm meistens das was ihn aus dem Durchschnitt heraushebt. Es fehlen ihm dann die Vorzüge die den Barsoi ausmachen. Sie ist ebenso wenig   die wichtigste wie die unwichtigste. Sie gehören zum Gesamtbild der Barsoi genau wie das Haar oder andere Eigenschaften die Barsoi spezifisch sind. Ein schwerer Barsoi ist noch lange nicht absolut ein Wolfshetzer und Barsois an welchen mancher ihre Substanz schätzt und hervorhebt sind niemals Wolfshetzer, weil sie nie in der Verlegenheit kommen einen Wolf zu hetzen, sprich zu würgen. Sie sind dann meistens schon  zu schwer als dass sie den  Wolf noch einholen könnten. Man hüte sich also, diese Richtung zu übertreiben oder damit von der großen Linie abzuweichen, die unsichtbar über der Barsoizucht schwebten. Manchmal kommt es mir in der  Hundezucht so vor wie in der hohen Politik. Viele Fragen die heute im Weltgeschehen der Politik auftauchen und uns in ihren Ursachen und in ihrer Auswirkung Kopfschmerzen machen, werden leichter gelöst wenn man sie an das Ende eines Geschichtsstudiums stellt. Geschichtsprobleme sind Völkerprobleme. Irgendwann und irgendwo liegt ihre Ursache. Wird der Faden dort angeknüpft, dann kann er gehalten und verfolgt werden. Ähnlich ist es mit der Hundezucht, genauer gesagt, der Barsoizucht. Manche Frage, die heute auftaucht, ist ebenso wenig neu, wie das politische Problem in der Völkergeschichte. Sie ist früher schon einmal aufgetaucht, ja sie musste geradezu auftauchen und sie wird leichter beantwortet, wenn man sich an diejenigen wendet, die in der Geschichte schon einmal vor dieser Frage gestanden haben, und das sind die Schöpfer oder die Züchter der betreffenden Rasse. Diese können wir heute nicht mehr fragen. Sie sind, soweit sie aktiv an der russischen Barsoizucht und am russischen Barsoisport beteiligt gewesen sind, wohl alle tot. Wir müssen uns deshalb an ihre Überlieferungen halten, die uns glücklicherweise vorliegen. Gerade der Barsoi, der nicht nur an einer einzigen Stelle geschaffen wurde, sondern an vielen Stellen im weiten Russland, hat durch das auf und ab in seiner Zucht die Gemüter schon früher recht oft mit ähnlichen Problemen beschäftigt, wie heute auch. Es verlohnt sich darum, in die Geschichte des Barsois hineinzusteigen und „Olle Kamellen“ aufzuwärmen – wie vielleicht manche denken werden – aber es verlohnt sich. Und darum wollen wir es tun. Die Schwierigkeiten, die uns heute in der Zucht begegnen, und die zu einer Divergenz in der Auffassung der Züchter und Richter führen können, sind meiner Ansicht nach nur gering im Vergleich zu den Schwierigkeiten, welche zwangsläufig vorgelegen haben müssen zu einer Zeit, als der Barsoi noch eine plastische Masse war, an der viele herum geknetet haben. Zu jener Zeit müssen erst recht solche Probleme – damals waren es wirkliche Probleme – aufgetaucht sein und die draus gezogenen Lehren können auch heute noch als richtungsgebend hingestellt werden. Denn letzten Endes kommt es ja darauf an zu wissen, was die Männer eigentlich wollten, die hinter dem Barsoi standen. Wir können heute den Barsoi nicht mehr umformen, wir wollen froh sein, wenn es uns gelingt, ihn auf der Linie zu halten, auf welcher er uns übergeben wurde. Wenn wir das tun wollen, müssen wir uns aber in erster Linie darüber klar sein, was den Züchtern, d. h. also den Schöpfern des Barsois jener Zeit vorschwebte.
Wir können die Geschichte des Barsois in zwei Abschnitte einteilen. Der erste Abschnitt liegt etwa vor 1860. Nach 1860, also nach der Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland, schienen die Barsoizucht und der teure Barsoisport dem Untergang geweiht. Wenn es nicht dazu kam, so war es das Verdienst einiger begüterter und begeisterter Barsoiliebhaber, die nach 1860 das vorhandene Material sowohl an Hunden als auch an Literatur sammelten und für die Zucht Richtlinien, also Rassekennzeichen, herausgaben, die der Erhaltung rein blutiger Hunde dienen sollten. Ich möchte deshalb die Leser bitten, mit mir einmal in die noch gar nicht allzu fern zurückliegende Geschichte des Barsoi hineinzusteigen und sie bitten, sich das zu Gemüte zu führen, was ich einer von Herrn Rickmeyer ausgegrabenen Arbeit über die russischen Rassekennzeichen des Barsoi, Verfasser Nikolai Petrowitsch Jermolow, Auszug aus den neuen baltischen Waidmannsblättern (aus der Vorkriegszeit) entnommen habe.
Die Rassekennzeichen lauten wie folgt:
Reinblütige, wellhaarige, russische Windhunde sind ausgestorben. Alle gegenwärtigen Rassen können als Kreuzungen mit Kurzhaar und Berghund bezeichnet werden. Die allerersten Kreuzungen mit dem Kurzhaar begannen wahrscheinlich im Westen, in Polen. Doch auch im Osten traten vor ungefähr einem Jahrhundert diese Kreuzungen im Wolgagebiet  auf. Auf 14 Ausstellungen für regelrechte Jagd in Moskau war nicht ein einziges russisches reinblütiges Wellhaar vertreten. Dass es nicht mehr vorhanden ist, liegt auf der Hand, und es muss dieserhalb das noch existierende edle russische Wellhaar erhalten und durch regelrechte Zuchtwahl verbessert werden. Hieraus ergibt es sich, dass wir dem Hunde mit reckenhaftem, doch trockenem Körperbau, ob auch nur mittlerer Größe, wie auch dem hochgewachsenem Hunde mit flach aufliegender Muskulatur und brachsartig geformten Rippen, gleiche Sympathien entgegenbringen sollen, wenn nur nicht der ganze Bau zu kurz geschlossen ist und kein kuhhessiges Hinterteil aufweist -  kleine Abweichungen von der regelrechten Sichelform der Rute, oft nur durch die Last der Haare bedingt, etwas zu breit oder zu niedrig angesetzte „Ohren“, und eine undichte, wenn nur guter Beschaffenheit, Behaarung – alles dies, bei ebenmäßige, und rassebekundendem Bau, sind Mängel von geringer Bedeutung: sich hier an zu stoßen ist durchaus unklug.
Bei der Hundezucht hat man sein Hauptaugenmerk auf das Blut zu richten. Nur auf Grundlage absoluter Reinblütgkeit ist es möglich, Hunde eines bestimmten, konstanten Typus zu erzüchten, doch nur unter der Bedingung, dass bei der Zuchtwahl das Ebenmaß im Bau nicht unbeachtet bleibt, wo nicht, können fehlerhafte Formen sich dauernd ergeben, desgleichen darf man sein Augenmerk nicht ausschließlich auf die Leistungsfähigkeit der einzelnen Körperteile richten, indem man die für das Feld wichtige Eigenschaften im Auge behält und die Schönheit außer Acht lässt. Weicht man auch nur im Geringsten von der Reinblütigkeit ab, oder legt man auf Schneid und Schärfe allzu großes Gewicht, so kann man auf lange Zeit hinaus der Mühe und Arbeit verlustig gehen. Wie sehr auch der unvergessliche P.M.Matschewarianow und ich diejenigen Solofänger des geschmeidigen und gewandten Litauers – des Feldhasen  die durch Kreuzung mit Berghunden erzielt wurden, schätzen, das aber war eine andere Epoche, denn jetzt ist das Erlangen solcher Berghunde sehr schwierig. Und in der Tat! Alle Hunde erstklassigen Schneids besaßen einen reckenhaften, gedrungenen Bau, dabei aber einen Körper wie Kautschuk und dürr und trocken. Legt man jedoch bei der Zuchtwahl ein zu großes Gewicht auf die Reckenhaftigkeit, so kann man leicht eine fleischige Massigkeit erzielen. Wenn ich unter riesigen, störgleichen Hunden mit Kalbshinterteil niemals wirklich schneidige angetroffen habe, so kannte ich dafür nicht wenige fleischige Hunde, die einem Percheron ähnelten und schwerfällig galoppierten. Man dar nicht vergessen, dass die Mängel reinblütiger Hunde sich wieder zurechtstellen lasse, doch verlorenen Reinblütigkeit wieder herzustellen, fällt schwer.
Um einen Hund als reinblütig ansprechen zu können, ist geboten, dass er einen allgemein eleganten und edlen Eindruck macht, das ist ein sicheres Zeichen der Reinblütigkeit. Ich finde sogar, qu‘une laideur distingueé, d. h. wenn auch kein Ebenmaß aufweisende, so doch rassige Allgemeinerscheinung des Hundes viel besser, als ein gemeines und plebejisches Ebenmaß der Glieder. Ein tüchtiger Fachmann wird begreifen, dass ein kleiner, brachsartig gebauter Hund mit nicht eben vorzüglichem Beinwerk, dafür aber mt regelrecht gebautem Kopf, guten Augen und seidenartiger Behaarung für die Rasse viel besser ist, als der hochgewachsene und grob gebaute Hund mit fleischigem Kopf, mit farblosen Gucklöchern statt der Augen und borstengleicher Behaarung.
Ich wiederhole, dass gegenwärtig, mehr denn je, in erster Reihe ein rassebekundendes Aussehen stehen muss, demzufolge wäre ein jetzt mögliches Ideal des Körperbaus etwa folgendes:

  1. Wuchs. Als normale Größe sind für die Hündin 15 Werschock, für den Rüden 17 Wreschock (69 cm resp. 74 cm – 1 Werschock = 4,445 cm) in der Beugung (Widerrist) anzunehmen. Ein Werschock mehr oder weniger ist bei voller Formenharmonie nicht von  Belang, d.h. ebenso gut, wie eine kleine Hündin von 14 Werschock Höhe eine Schönheit und eine gute Stammmutter sein kann, so kann auch ein Rüde von 18 Werschock Höhe hübsch und ebenmäßig sein. Doch sind weniger als 14 Werschock und mehr als 18 Werschock eher Nachteile als Vorzüge.
  2. Kopf. Er muss trocken sein und eine wenig breite Stirn aufweisen. Das Profil ist in dem Sinne fast ein griechisches zu nennen, dass Stirn und Schnauze, von der Seite gesehen, eine fast gerade, von einer unbedeutenden Erhöhung in der Brauen- und einer Vertiefung in der Augengegend unterbrochene Linie bilden. Die Schnauze muss fein und lang sein, doch keineswegs übertrieben. Eine zu sehr gewölbte Stirn und zu spitz verlaufende Schnauze sind Mängel, und diese treten auf sobald die Knochen des Kopfes sich zur Schnauze hin nicht allmählich, sondern unvermittelt verjüngen. Der Unterkiefer darf nicht derart kürzer als der Oberkiefer sein, dass hierdurch der Eindruck eines gewissen Aufgezäumtsein hervorgerufen wird. Die Lefzen sine schwarz, jedenfalls dunkel, ramsnasige, vertiefte – hechtarige – aufgeworfene oder zu stumpfe Schnauzen sind Mängel, das Endbein des Schädels (Hinterhauptstachel) muss spitz hervorheben.
  3. Behänge. Kleine, dünne, völlig überhängende Ohren kann man nicht verlangen, doch ist es wünschenswert, dass diese nicht zu weit auseinandergestellt und zu niedrig angesetzt sind, sondern sich rückwärts legen und nahe beieinander liegen. Gut ist es, wenn der Hund beim Aufmerken die Ohren etwa wie das Pferd spitzt.
  4. Augen. Ein wenig hervorstehend, groß, waldschnepfenartig, dunkelbraun oder schwarz, die Ränder der Augenlider dunkel.
  5. Hals. Kürzer und gedrungener beim Rüden, bei der Hündin an den Seiten flach und verhältnismäßig länger. Für die Wolfshatz ist ein muskulöser, kräftiger Hals geeignet, für ein gewandtes Fangen von Hasen dagegen ist der mehr längliche Hals vorzuziehen.
  6. Brust und Vorderläufe. Die Brust darf nicht eng sein, die Schulter gut bemuskelt, die Vorderhand muss, im Verhältnis zur Hinterhand des Hundes, etwas schmäler, in keinem Fall aber breiter sein. Das Schulterblatt soll bei dessen Vereinigung mit dem Oberarmknochen des Laufes ein wenig zurücktreten; alsdann werden die geraden vollkommen gleichgestellten Vorderläufe richtig – ein wenig unter den Körper geneigt – stehen. Im gegenteiligen Falle wird es den Anschein haben, als stehen der Hund auf Stelzen und nicht auf eigenen Füßen. Die Ellenbogen der Vorderhäufe müssen etwas ins Feld gerichtet sein. Im Allgemeinen müssen die Läufe durabel, knochig und sehnig sein. Die Pfoten müssen trocken und schmal denen des Feldhasen ähnlich sein und dürfen den Erdboden nur mit den Klauen aber nicht mit den Hacken berühren.
  7. Rücken. Breit, beim Rüden mit gutem Aufsatz, bei der Hündin flach, gedrungen, das Kreuz derart breit, dass die Hand zwischen den Hüftknochen Platz findet. Gut ist es, wenn über die Wirbelsäule die Wirbelknochen nicht, wie beim Stör, hervorragen, vielmehr muss den ganzen Rücken entlang eine Rinne verlaufen, indessen: Streng lässt sich dies ebenso wenig verlangen, wie dass der Rüde unbedingt bogenrückig , die Hündin dagegen flachrückig ist; die Hündin mit einem nicht allzu sehr gebogenen Rücken, der jedoch breit und gedrungen verläuft, und breit gestelltem Hinterteil, kann trotzdem ein vollkommenes Ebenmaß aufweisen. Geleichermaßen kann ein Rüde mit flachem, nicht gestrecktem Rücken, ein in sich abgerundetes Ganzes bildend, auch ein guter Stammvater sein.
  8. Rippen. Nicht völlig flach wie beim Brachs, aber auch nicht tonnenförmig, sondern nur ein wenig konkav, damit die Atmungsorgane genügend Raum haben, bis zu den Ellenbogen der Vorderläufe herabreichend. Der Leib muss bis über die Hüften hinaus, eingezogen sein, dergestalt, dass ein Hängebauch vermieden sei; alsdann wird die Beugung eine regelrechte sein.
  9. Hinterläufe und Schenkelbildung. Die Hinterläufe dürfen nicht übermäßig gerade verlaufen, am besten ein wenig gestreckt und parallel, und, von hinten gesehen, breit gestellt, in keinem Fall aber dürfen sich die Knie berühren, was ihnen ein missgestaltetes, kuhhessiges Aussehen geben würde. Die Hinterhand des Hundes muss überhaupt um einiges breiter sein, als die Vorderhand, Die Hinterschenkel dürfen nicht übertrieben stark, doch gelenkig und gedrungen sein, sich fest anfühlen lassen. Die Pfoten müssen lang in der Zehenbildung denen des Feldhasen ähnlich sein, und sich nicht, wie bei der Katze, zusammenballen, wie solches bei vielen Kurzhaarigen der Fall ist; die Sehnen sollen stark und elastisch sein.
  10. Rute. Nicht fleischig, sondern vielmehr trocken und ein wenig stärker als der Finger, sichelförmig, mittlere Länge und mit Haarschmuck, d.h. Fahne.
  11. Gesamterscheinung. Behaarung und Farbe. Bei festem und elastischem Körperbau muss der Hund ein welliges, seidenaritges Haarkleid besitzen. Besser ist eine nicht zu dichte Bahaarung, doch muss das Haar von guter Beschaffenheit sein. Die Haarfarbe ist heutzutage eine sehr mannigfaltige, doch darf man in dieser Richtung nicht allzu streng vorgehen. Als vorherrschend charakteristisches und typisches Haar ist das Grau und das Hellgelb zu verzeichnen. (Eine fleckenlose, rein weiße Haarfarbeist sehr selten, obwohl sie ungewöhnlich schön ist.) Ferner: grau auch gelbgefleckt, von gemischter Färbung: gelbgrau und graugelb, und in diesen beiden Farben gefleckt.

Nachstehend teile ich N.P. Kischensky für seinen Genealogie der Hunde mit, welche Ausführungen in dem Jagdkalender des L.P. Sjabanejeff vom Jahre 1885, Seite 1 und 2 im Abteil: „Russische Wellhaarhunde“ wörtlich zum Abdruck gelangten:
„Sowohl diese besonders charakteristischen Färbungen, wie auch andere, können nur dann bei reinblütigen, russischen Wellhaarhunden als typisch angesprochen werden, wenn sie sich nicht überall gleichmäßig und nicht in zu dunklen Schattierungen gehalten sind, so z.B. darf der hellgelbe Wellhaarhund – die beste Farbe ist stroh- oder maisgelb – niemals überall gleichmäßig gefärbt sein, die Schnauze, die Backen, die Kehle, die Brust, die Flanken, die Läufe zu den Pfoten hin, die Schenkelränder, die Fahne der Rute, alle diese Körperteile müssen bedeutend heller als die übrigen gefärbt sein, wobei die Haare an den oben erwähnten Extremitäten größtenteils in weiß übergehen. Dasselbe gilt selbstredend auch von der grauen Haarfarbe. Überhaupt darf die  Färbung eines reinblütigen Wellhaares, welche sie immer sein mag, nicht nur gleichmäßig, sondern darf auch nicht jene dunklenTöne aufweisen, welche beim Kurzhaar angetroffen werden. Die eintönige dunkelrote oder aschgraue Färbung an allen Teilen des Windhundkörpers, wenn auch mit weißen Pfoten, ist für das russische Wellhaar nicht typisch.
Ich füge hinzu, dass auch das Rötlichgelbe und untermischt mit silbergrau, ferner eine andere Haarfarbe mit der gleichen Untermischung, ebenso wie die tabakfleckigen, weil die Färbung eine untermischte, nicht gleichmäßig dem ganzen Hund deckende ist, für das reinblütige Wellhaar typisch ist. Die rassige Allgemeinerscheinung eines reinblütigen Wellhaares ist hauptsächlich durch einen trockenen, ebenmäßig geformten Kopf, gute Augen und elegante Behaarung bedingt. Alle eben erwähnten Körperteile können nur dann ein musterhaftes Wellhaar, wie solches der Gesellschaft von Liebhabern reinblütiger Hunde wünschenswert erscheint, ergeben, wenn sie alle in der Gesamtheit wirken…“. Soweit die Original- Rassenkennzeichnung. Und so wollen wir mal gleich mitten in sie hineinspringen. In der Einleitung 2. Absatz heißt es: Bei der Hundezucht hat man sein Augenmerk auf das Blut zu richten. Nur auf der Grundlage absoluter Reinblütigkeit ist es möglich, Hunde eines bestimmten konstanten Typs zu erzüchten, doch nur unter  der Bedingung, dass bei der Zuchtwahl das Ebenmaß im Bau nicht unbeachtet bleibt. Wo nicht, können fehlerhafte Formen sich dauernd ergeben. Desgleichen darf man sein Augenmerk nicht ausschließen auf die Leistungsfähigkeit der einzelnen Körperteile richten indem man die für das Feld wichtigen Eigenschaften im Auge behält und die Schönheit außer Acht lässt. Weicht man auch nur im Geringsten von der  Reinblütigkeit ab und legt man auf Schneid und Schärfe allzu großes Gewicht, so kann man auf lange Zeit hinaus der Mühe und Arbeit verlustigt gehen.“ Dieser Satz deckt sich mit den Zuchtprinzipien, die uns schon andere Barsoijäger  verkündet haben. Siehe die Pechiozucht, wo man die Zucht mal mit Hunden einer bestimmten Farbe begann, dann als das nicht brachte, nur noch Hunde in die Zucht einstellte die sich durch besondere Schärfe und Schneid auszeichneten. Als auch daraus kein reiner Segen erblühte, konzentrierte man sich auf Zuchttiere, die in besonderen Maße typisch, also adelig, sprich edel , und schön waren. Hier sei auch A. Boldareff zitiert. In seinem Aufsatz  „Die Entwicklungsstufen der Barsoizucht“ sagt unter u.a.:“ Ich hatte Gelegenheit, sehr gute Barsois zu sehen, die nicht nur rassige Erscheinungen waren, sondern  überdies Adel zeigten, um  einen Ausdruck zu gebrauchen, wie es bei uns in Russland üblich war, um das so richtig auszudrücken, was mit der aristokratischen Schönheit des Barsoi gemeint ist. Dieser Adel, der manchmal kleine Fehler  nicht ausschließt. Wird nach meiner Ansicht das Hauptsächliche sein, was wir fordern und erstreben müssen. Was aber ist nun Adel? Ich will nicht versuchen zu definieren. Es wäre verlorene Mühe usw.“ Diese Leitsätze  gipfeln in der Erkenntnis, daß bei der Zucht und für die Zucht als roter Faden das Vorhandensein der dem Barsoi eigentümlichen rassigen Schönheit, des Typs- es muß nicht immer derselbe, also gewissermaßen der Familientyp sein- festgehalten werden muss. Ich möchte das mit negativen Worten gesagt, noch schärfer herausarbeiten, indem ich formuliere: Barsois ohne Adel sind von der Zucht überhaupt auszuschließen. Nikolai Petrowitsch  Jermolow sagt aber weiter:…. Alle Hunde erstklassigen Schneids besaßen einen reckenhaften  gedrungenden  Bau dabei aber einen Körper, wie Kautschuk und dürr und trocken….“. Das ist gewissermaßen die Definition für den Begriff Substanz, soweit er aus den erwähnten Rassenkennzeichnung zu entnehmen ist. Nun ein sehr wichtiger Satz zu dem Thema: ….“ Legt man jedoch bei der Zuchtwahl ein zu großes Gewicht auf die Reckenhaftigkeit, so kann man leicht fleischige   Massigkeit erzielen. Wenn ich unter riesigen störgleichen Hunden mit Kalbshinterteil niemals wirklich schneidige angetroffen habe, so kannte ich dafür nicht wenige fleischige Hunde die einem Percheron (eine französische kaltblütige Pferderasse d. Verf.) ähnelten und schwerfällig galoppierten ( Nachtigall ich hör dir trampeln!). Man darf nicht vergessen, dass die Mängel reinblütiger  Hunde sich wieder zurechtzustellen lassen doch verlorene Reinblütigkeit wieder herzustellen fällt schwer….“ Mit diesem Satz ist  angedroht, dass sich solche Hunde in der Zucht schlecht auswirken. Und eine ausschließliche Zucht auf Substanz die Reinblütigkeit  verdünnt. Es geht nun wie folgt weiter…Um einen Hund als reinblütig ansprechen zu können ist geboten, dass er einen allgemein eleganten Eindruck macht, dass ist ein sicheres Zeichen der  Reinblütigkeit. Ich finde sogar qu‘ une laideur distinguee, d.h., wenn auch kein Ebenmaß aufweisende, so rassige Allgemeinerscheinung des Hundes viel besser als ein gemeines und plebejisches  Ebenmaß der Glieder. Ein tüchtiger Fachmann wird begreifen, dass ein kleiner, brachsartig gebauter Hund mit nicht eben vorzüglichem Beinwerk, dafür aber mit regelrecht gebautem Kopf, guten Augen und seidenartigen Behaarung für die Rasse viel besser ist, als der hochgewachsene und grob gebaute Hund mit fleischigem Kopf, mit farblosen Gucklöchern statt der Augen und borstengleicher Behaarug….“. Passen diese Sätze nicht vollkommen auch auf unsere gegenwärtige Situation? Habe ich unrecht wenn ich sage, dass alles schon einmal da war. Das die Mängel mit denen wir heute in der Formzucht rechnen müssen keine Mängel von heute und gestern sind, sondern mit zur Rasse gehören genau so wie Mängel mit welchen sich andere Rassen quälen und ausgerechnet immer diejenigen Rassen, welche über das naturgegebenen Schultermaß gezüchtet worden sind. Ich denke dabei nur an  Rassen wie  Deutsche Doggen, Deerhounds,  Irish Wolfhounds. Die berühmten Sachverständigen erheben nun ein Geschrei und erklären mit dem Brustton der Überzeugung:“ Eure Barsois sind schlecht geworden. Wenn ihr so weiterzüchtet, dann degeneriert die Zucht und die Rasse. Die Entartungserscheinungen  sind schon da.“ Dann wird auf die Berufung auf  den Nebenberuf des Barsoi, auch Wölfe hetzen können zu müssen, der Stab  über eine ganze Zucht gebrochen. Derartige Rufer aus der Wüste sind eine gefährliche  Erscheinung, weil sie eine kolossale Unruhe in die Zucht bringen, ohne aber, und das ist das wesentliche dabei, beweisen zu können,  das die von ihnen bevorzugten substanzbelasteten Hunde das können was die anderen, nämlich die leichteren Hunde, nicht können sollen nämlich Wölfe hetzen. Ich behaupte weder das eine noch das andere. Ich behaupte aber folgendes: Unsere Barsoizucht ist nicht ein bisschen schlechter geworden, seitdem wir aus Rußland  keine neue Blutzufuhr erfahren haben. In nahezu  30 Jahren degeneriert keine Hundezucht, wenn nicht gerade mit  Krüppeln gezüchtet wird, und die Zucht durch bewusst und unbewusst falsche Zuchtwahl in einer bestimmten Richtung falsche Wege geht. Selbst nicht durch Anwendung stärkster Inzucht. Eine Rasse degeneriert erst dann, wenn die Erbanlagen degenerieren, das heißt, wenn über eine große Reihe von Generationen schlechte oder ungünstige Erbanlagen gehäuft werden, welche die in unserem Sinne positiven  Erbanlagen überschatten und verdrängen. Dazu bedürfte es hundert von Jahren. Das beste Beispiel ist hier der Mensch. Wer will behaupten, dass der  europäische Mensch entartet ist, weil er seit Jahrhunderten  eine nicht mehr naturgegebene Lebensweise führt, weil er nicht mehr mit Auerochsen, Bären, Wölfen und den Unbilden der Natur kämpft und dies trotzdem  mit Hilfe der modernen Medizin jeder tuberkulöse Säugling bisher hochgepäppelt  und bis vor nicht langer Zeit auch zur Fortpflanzung kam, ganz abgesehen  von Alkohol, Tabak, Vitaminmängeln und was dergleichen Dinge mehr sind. Der erste Marathonläufer ist am Ziel tot zusammengebrochen. Heute gehen 50 und mehr Olympioniken über die  gleiche Strecke, ohne zu sterben, und dies trotzdem sie degeneriert sein müssten gegenüber den berühmten Helenen. Das Wort Degeneration ist ein Ausrufezeichen, mit dem ein verantwortungsloser Unfug getrieben wird. Ich behaupte auch, dass  auch im alten Russland nicht alle Barsois Wölfe fingen, sonst wären einzelne Hunde nicht so berühmt gewesen. Ich behaupte, das nicht jedes Subsstanzkalb  einen Wolf hetzen, sprich, einholen und packen kann. Es scheint mir viel natürlicher , das  dies überhaupt  nicht der Fall ist und das dere Substanzbulle im Quadrat  seines Übergewichtes von der Fähigkeit entfernt ist , das zu tun, was der Russe mit Brassok bezeichnete, nämlich im letzten Stadium der Hetze an den Wolf heranzufliegen, wobei der letzte Satz mit einem Sprung oder Wurf bezeichnet wird. Es erscheint mir viel natürlicher, dass dies kleinere und leichtere Hunde besser können. Ich lehne es ab, gewisse Formfehler, die ein Richter da oder dort bei einem Hund feststellt, als warnende  Entartungserscheinung zu werten. Ich stelle vielmehr  fest, das solche Fehler  schon vor 50 Jahren vorhanden waren, und wenn es nicht gelungen ist, sie bis heute auszumerzen, so liegt dies daran das wie schon gesagt  unsere Barsois zu groß gezüchtet werden. In der Märznummer unserer Zeitung ist nun von unserem  Fachschaftsvorsitzenden   eine englische  Pressestimme gebracht worden die Herr Rickmeyer  bereits apostrophiert  hat. Herr Rickmeyer  hat recht, wenn er behauptet, dass es nicht stimmt wenn die  Ansichten der Richter  als weit  auseinandergehend bezeichnet werden. Es ist nun immer  so, das negative  Ansichten, die erfreulicherweise  Seltenheitserscheinungen sind viel mehr  Staub aufwirbeln, als positive Ansichten, weil die Apostel der Kritik, das ist nun einmal in menschlichen  Leben so immer willigere Ohren finden wie die aufbauenden Problematiker.  Wohl stimmt es, wenn Herr van den Berkhof den Deutschen den Vorwurf macht, dass  sie zu sehr  Kopffanatiker sind. Genauer gesagt, er macht  diesen Vorwurf in erster Linie mir selbst, wie ich  aus meiner Korrespondenz mit ihm weiß.  Aber darauf bin ich beinahe stolz weil ich nach wie vor der Ansicht bin, damit auf dem richtigen Wege zu sein. Der Schreiber des Artikels  in Qur Dogs meint nun, dass die Deutschen Züchter  nicht so viel Wert auf die Kleinigkeiten  legen, die der russische Züchter  so hoch schätzt:  Gebiss, große dunkle und feurige  Augen, kleine leichte gut angesetzte Ohren, Hasenpfoten vorn und hinten gut entwickelte Halslocken. Darüber kann  der Sachverständige jenseits des Kanals vollkommen beruhigt sein. Mit solchen Kleinigkeiten halten wir uns nicht mehr auf. Die sind nämlich gut bei uns. Zum guten Kopf, weil wir nämlich Kopffanatiker  sind gehören sogar: große dunkle und feurige Augen, kleine leichte gut angesetzte Ohren, gut entwickelte Halslocken. Was die Hasenpfoten angeht so sind wir da schon viel weiter, wir haben nämlich einen Richter, der verlangt vorne sogar Katzenpfoten, was natürlich  Unsinn ist. Was hinsichtlich der Ansichten des Herrn  van den  Berkhof über die Substanz und  die  Gebrauchsqualitäten der deutschen Barsois zu sagen ist, so kann auf die spezielle Tendenz dieses Artikels verwiesen werden. Die Gebrauchsqualitäten des Barsois aber von der psychischen und der anatomischen Seite aus zu beleuchten, so wie es kürzlich ein Richter tat, ist vollkommen abwegig. Der Psyche des Barsois kann man nur gerecht werden, wenn man seine biologische Entwicklung auf historischer Grundlage studiert. Darüber habe ich demnächst einen Artikel vor. Mit der Anatomie und der Größe hat das Problem aber nur sekundär zu tun. Ein Barsoi zwischen 70 und 80 cm Schulterhöhe, der als Wolfshetzer trainiert ist, ist auf 150 bis 200 Meter so schnell wie ein Grey. Wenn er das nicht ist, kann er nie einen Wolf einholen. Ich betone aber ausdrücklich, dass er das nur hinter dem Wolf macht. Sonst gibt er eben nicht alles her. Beim Hetzen des Wolfes bestehen die letzten 30 Meter aus einem buchstäblichen Fliegen, wobei zwischen den fußenden Beinen Sprünge von vier bis fünf Meter liegen, die der Hund frei in der Luft schwebt. Dann kommt der Brassok und der würgende Angriff. Auf die Bewegungsstadien des Windhundes und damit auch des Barois komme ich ebenfalls in einem besonderen Artikel zurück. Dass dem Barsoi aber die Phase des Schwebens in der Luft zwischen Absprung der Hinterhand und Aufsprung der Vorderhand fehlt, ist neu und falsch. Ich empfehle dem betreffenden Herrn häufigere Besuche von Barsoirennen und im übrigen das Studium des Zuchtbuches. Insbesondere verweise ich auf Seite 331 des Jubiläumsbandes, wo die Championesse Fatma von der Ostmark in einem Sprung erwischt worden ist, der geradezu ein Brassok sein könnte. Es war aber lediglich ihr normaler Renngalopp.